
die Brücke
Nach einer kurzen Nacht (der Wecker klingelt um 6 Uhr) scheitert ein Versuch im Teusajaure baden zu gehen – das Wasser ist Ar***-kalt und glitschige große Steine verhindern die Brute-Force-Methode “Augen zu und durch”. Wir spritzen uns kurz oberflächlich nass, werfen etwas Travelseife (natürlich voll ökologisch abbaubar nach) und sind schnell wieder im Zelt. Nun gilt es die Sachen zusammenzupacken – der Überfahrttermin mit dem Boot steht für 8 Uhr an. In weniger als 5 Minuten sind wir über den See, danach geht es wieder hoch auf ein Fjällplateau – insgesamt 450 Höhenmeter sind zu überwinden.

Steinmännchen dienen der Wegmarkierung

Licht und Wasser

Vakkotavare
Der Aufstieg zieht sich hin und der zunächst blaue Himmel trübt sich allmählich ein – es nieselt und ein kräftiger Wind traktiert uns, in dieser Kombination eiskalt. Wir treffen auf eine Fragwürdig wirkende Brücke mit bedeutungsschweren Schildern diese nur einzeln zu überqueren. Das Fundament der einen Seite steht bedenklich schief, wir befolgen den Rat der Schilder und erreichen die andere Seite unbeschadet.
Bald darauf erreichen wir den höchsten Punkt des Tages und wir machen uns Hoffnung auf einen schnellen und angenehmen Abstieg. Diese Gefallen wird uns nicht getan – das Plateau zieht sich Kaugummi-artig hin aber wenigstens bessert sich das Wetter – es ist wieder trocken. Wir sehen große Rentierherden und müssen stellenweise über Regenfass-große Findlinge hinwegsteigen. Wir nähern uns der Kante des Plateaus, allerdings geht es immer wieder über kleine Hügelwellen – jede wirkt als folge dahinter der endgültige Abstieg. Irgendwann haben wir die letzte Welle überstiegen und nach einem steilen Abstieg taucht zunächst eine Hochspannungsleitung, dann die Straße und zum guten Schluss die Hütte Vakkotavare auf welche wir gegen zwei Uhr Nachmittags erreichen – wir haben die Strecke von 115,06 Kilometern in 5 Tagen, einer Stunde und fünfundvierzig Minuten hinter uns gebracht.

Regenbogen
Die Nacht über zerrt der Wind am Zelt und ich schlafe schlecht – dazu kommt noch ein leichter Regen. Als wir am Morgen aufwachen strahlt die Sonne – und es regnet. Wir werden für das aus dem Zelt Kommen mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt der sich über fast 2 Stunden hält – leider auch mit immer mal kurzem Nieselregen zwischendurch so das wir nach dem Frühstück im Zelt das selbige feucht einpacken müssen.
Das Tal behält auf den nächsten Kilometern seinen spärlichen Heidebewuchs, wird dann aber immer grüner und weitet sich zu einer breiten Wiese aus auf der die verschiedensten bunten Blumen wie kleine Farbtupfer verstreut blühen – man wähnt sich fast in den Alpen. Der Tjätjajåkka fließt ruhig und tiefblau durch das Tal.

Samenkate

Das weite Tal
Der Weg führt an einer verfallenen Samenkate vorbei welche einem Gerippe gleich in der Landschaft steht. Ursprünglich waren rundum Birkenstangen angebracht welche mit Moosschollen bedeckt wurden so dass ein kleiner grüner Hügel entstand. Der Fluss fließt am Ende des Tales durch eine Schlucht ab wärend der Wanderweg nach einem kurzen strengen Anstieg diese mit einer weiteren Hängebrücke überquert. Inzwischen haben wir die Baumgrenze wieder erreicht und wir laufen durch ein lichtes Birkenwäldchen welches teilweise von Sumpfflächen unterbrochen ist in Richtung der Keitumhütten welche nach etwa 3 Kilometern im Wäldchen auftaucht während sich linkerhand der Tjätjajåkka in den azurblauen Keitumjaure ergießt.


Keitumhütte und Keitumjaure
Wir schwatzen kurz mit dem Hüttenwart, wollen aber doch heute noch Teusajaure erreichen so dass wir kurz darauf wieder aufbrechen. Hinter den Hütten führt der Weg noch für ein kurzes Stück durch den Wald, nähert sich dann aber einem weiterem Fluss welcher wieder mit Hilfe eine der abenteuerlichen Drahtgitterhängebrücken überquert werden muss – man sieht das brodelnde Nass direkt unter sich und hofft auf die schwedischen Ingenieursqualitäten
. Wir machen hinter der Brücke eine kurze Pause bevor es 300 Höhenmeter über ein Fjällplateau zu überwinden gilt – welche auf der Karte deutlich harmloser wirken als in freier Wildbahn da es über mehrere Kilometer ansteigt und auf Grund der inzwischen wieder überwundenen Baumgrenze mächtig pfeift. Nachdem das Plateau bestiegen ist führt der Kungsleden über die Ebene bis diese scheinbar nach unten abzufallen scheint – es folgt ein sehr steiler Abstieg ins Teusajauretal. Wir zelten an der Hütte und zahlen jeder 50 SEK für eine Motorbootüberfahrt am nächsten Morgen. Wir bauen das Zelt mit Blick auf den See auf und ich versuche Spaghetti zu kochen welche mir im Topf anbrennen – also gibt es Kartoffelpüree mit Tomatensauce
. Ich setze mich ans Ufer und schreibe Tagebuch während Carsten vor den Mücken ins Zelt geflohen ist – mich nerven nur die kleinen [[Gnitzen]].

Kurz hinter der Hängebrücke