
der Sälkagletscher
Der nächste Tag beginnt für uns spät – erst gegen elf ist das Zelt abgebaut nachdem wir uns im eiskalten Tjäktjajåkka gewaschen haben – das macht munter. Angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit beschließen wir das ein Müsliriegel mit warmen Tee aus der Thermoskanne als Frühstück ausreichen muss. Das Tal ist auf den nächsten Kilometern immernoch grün und nass, bis eins sind wir bei Sälka wo wir kurz vor der Hütte am Fluss Mittagspause machen – Käsespätzle aus der Tüte, ganz brauchbar. In der Hütte dann “We need some help, we are running out of chocolate.” Ist wie ein richtiger kleiner Laden, man bekommt Knäckebrot, Dosenfutter, Gefriergetrocknete Outdoormahlzeiten, Kekse, Batterien und Klopapier. Außerdem Schokolade – die Marabousorten Mjölkchoklad und Schweizer Nöt sowie auch Schokoriegel wie Japp{{1}} und Daim. Da es meine Lieblingssorte Apelsin {{2}} nicht gibt erstehen wir zwei mal 200 Gramm Mjölk – für stattliche 35 Kronen die Tafel.{{3}} Darauf geht es weiter gen Süden wärend der Himmel langsam wieder zuzieht. Kurz hinter den Sälkahütten offnet sich der Blick auf den Sälka von dem ein Gletscher geradezu hinunterstürzt – leider liegt der Gipfel mitten in den Wolken.
Ein Blick nach hinten ins Tal verheißt nichts Gutes, ständig durchziehen Regenbänder das Tal welche jedoch wahnsinnige Farbkontraste mitbringen – perfektes Fotowetter. Das Tal ist inzwischen deutlich trockener als noch am Vorabend und der Tjäktjajåkka ist zu einem statlichen Gebirgsfluss herangewachsen – gespeist von Flüssen aus Seitentälern und Gletscherwasser. Wir erreichen eine weitere Hängebrücke über einen solchen Seitenfluss und machen uns allmählich Sorgen in einen kräftigen Schauer zu geraten. Entsprechend beeilen wir uns nach Singi zu kommen – es geht wieder mal über mehrere Hügelchen immer hoch und runter bis rechterhand ein Samendorf{{4}} auftaucht. Wir folgen dem Weg am Dorf vorbei und erreichen sehr erschöpft die Singi Hütten welche direkt hinter dem Dorf liegen. Ich spiele mit dem Gedanken das Geld für eine Übernachtung mit dem Zelt an der Hütte zu investieren doch der Geiz siegt und wir gehen noch ein Kilometerchen – wieder mal sehen wir Rentiere – bis wir in einer trockenen Senke an einem kleinen Bach einen idealen Zeltplatz finden. Zum Abendessen gibt es wieder Bastmatte,{{5}} diesmal mit Erbsensuppe. Wir essen im Zelt und ich entdecke, nachdem ich es zum Abwasch verlassen will einen jungen Fuchs welcher sich nach oben auf einen Hügel verdrückt. Ich schnappe die Kamera und begebe mich auf die Pirsch – glücklicherweise habe ich Gegenwind und der Fuchs kann mich durch den Hügel nicht sehen – ich sehe ihm für einen Kurzen Augenblick in die Augen als ich die Spitze des Hügels erreiche und nutze den Augenblick dazu das Bild des Tages zu schießen. Leider handelt es sich bei dem Fuchs nur um einen gewöhnlichen Rotfuchs, ein echter Fjällräven wär mir lieber gewesen. Der Fuchs verschwindet so schnell wie er aufgetaucht ist und ich verkrieche mich ins Zelt um die letzten beiden Tage im Tagebuch zu verewigen.
Tag 4 der Tour für Google Earth

Rentiere am Abend

scheuer Blick
[[1]]Ist im Endeffekt [[Mars (Schokoriegel)|Mars]], wird aber schon seit 1947 hergestellt[[1]]
[[2]]schmeckt wie Ritter Sport Knusperflakes mit Apfelsinengeschmack[[2]]
[[3]]etwa 3,50€ die Tafel – aber ohne Schoki geht erst recht nicht[[3]]
[[4]]Muss ich mir eigentlich Sorgen machen wenn ich den Wikipedialink einfach eintrage ohne nachzusehen ob der Artikel überhaupt dort steht? Erschreckend wie hoch meine Trefferquote da inzwischen ist… [[4]]
[[5]]hat sich bei uns als Bezeichnung für pumpernickelartiges eingeschweißtes Brot eingebürgert. [[5]]

Gesteinsformation im Tal - die ganze Zeit leuchten vereinzelt Steine in hellen Gelb- und Rottönen zwischen dem verteiltem Grau.
Am nächsten Morgen kommen wir nicht so recht in die Gänge – die Nacht hatte es geregnet und trübe Suppe hängt über dem Alesjauretal. Nach einem spartanischen Frühstück – diesmal Müsli mit Nutella, schmeckt wieder erwarten ziemlich gut und gibt gut Energie – brechen wir auf und kämpfen uns das Tal nach oben. Wir beobachten wie sich die Wolken über die Berggipfel quetschen und danach wieder Richtung Tal hinabfallen. Es nieselt leicht, der Regen lässt aber bald darauf nach und es ist nur noch kalt. An einer Hängebrücke machen wir kurz Rast, bewundern den darunter brausenden Wasserfall und das erste Schneefeld – der Sommer scheint hier fern, das Tal wirkt karg und trostlos, ist aber vom grünen Schimmer der niedrigen Bodendecker durchsetzt welcher selbst diesen wiedrigen Bedingungen wiederstehen.

Bohlenwege führen über feuchte Stellen
Langsam aber sicher steigt das Tal an und wir arbeiten uns der Tjäktjahütte entgegen. Wenig später kreist eine Seeschwalbe über uns, mir gelingt es nicht ein scharfes Bild zu schießen, eine genauere bestimmung ist bei den Lichtverhältnissen und Mangels ornithologischer Literatur nicht möglich. Wir sehen nahezu ausgewachsene Jungvögel und beobachten wenig später wie zwei Wanderer mit Hund die Elterntiere in wilde Aufregung versetzen.

Moos am Gebirgsbach
Kurz darauf machen wir an einem Bach Mittagspause – es gibt Schinkennudeln aus der Fertigtüte und stellen fest das weniger Wasser als angegeben bei zwei Tüten im Topf besser gewesen wär. Es dauert einige Zeit bis die Nudeln durch sind, die ganze Zeit muss ständig gerührt werden damit sie nicht anbrennen und es dauert etwas bis so viel Wasser verkocht ist das die Sauce eine annehmbare Konsistenz hat. Mein Benzinkocher{{1}} bewährt sich auch wenn der Aufwand das Gerät zum Kochen zu bringen etwas höher ist als bei den Gaskochern. Wir verteilen die Nudeln auf die Teller und ich will gerade den Topf mit Wasser füllen um es dann beim Abwasch etwas leichter zu haben als ich im Bach einen jungen Rotschenkel entdecke – ich schleiche mich zurück, schnappe meine Kamera und mache mehrere Aufnahmen wie er im eiskalten Gebirgsbach nach Nahrung stochert. Erst danach widme ich mich den inzwischen lauwarmen Nudeln.

Rotschenkel im Bach
Danach geht es steil nach oben zu der Hochebene an derem anderem Ende der eigentliche Tjäktjapass liegt und deren Überquerung uns bevorsteht. Wir lassen die Tjäktjahütten, nach unserem Buch das eigentliche Tagesziel gegen 16:30 rechts neben uns liegen und kämpfen uns über die mit Geröllfeldern überzogene Ebene bis wir gegen Viertel nach sieben den Pass erklimmen und die Schutzhütte aufsuchen. Es ist geheizt und sehr warm – in der Hütte wärmen sich bereits zwei Deutsche auf welche aus der Gegenrichtung den Nordkalottsleden bewandern.

Bohlenweg übers Geröll

Die kleine Schutzhütte am Pass
Wir plaudern ein wenig und machen uns kurz darauf wieder auf die Socken – genau im richtien Augenblick, zieht doch gerade die Wolkendecke auf und legt das vor uns liegende Tjäktjatal in goldgelbes Abendlicht. Der Abstieg ist sehr steil, ich rutsche aus und ziehe mir dabei eine Zerrung am rechten Knie zu – nichts wildes, laufen geht weiter einwandfrei – nur schmerzt das Knie nun bei jeder Bewegung über einen gewissen Punkt hinaus. Wir durchwandern das wieder recht feuchte, jedoch deutlich grünere Tal und nähern uns der Selkahütte, eigentliches Etappenziel des nächsten Tages bis auf 4 Kilometer. Carsten baut das Zelt auf während ich mich um Tee und Abendessen kümere – es gibt Bastmatte mit Tütennudelsuppe. Danach verkriechen wir uns in die Schlafsäcke. Plötzlich rächen sich die “Überstunden”, alles am Körper fühlt sich vernachlässigt und begint zu schmerzen.

Blick über das Tjäktjatal

Abendsonne
Strecke von Tag 3 als für Google Earth
[[1]]Primus Variofuel[[1]]